Der Plattenwagen von 1946 - ein VW-Werksveteran erhielt Zulassung für den öffentlichen Straßenverkehr

Provisorien haben ein langes und zähes Leben. Diese alte Weisheit hat sich dieses Mal wieder einmal bei einem für Insider alten Bekannten, dem Plattenwagen bestätigt. Der 1946 nach den Abzug der britischen Transportkompanie im innerbetrieblichen Werkstransportverkehr entstandene Engpass wurde von den damaligen VW-Technikern durch den Bau eines Motorkarrens als Provisorium unter Verwendung von vielen Teilen aus der Käferproduktion schnell abgewendet, so dass es kaum zu Produktionsbeeinträchtigungen kam. Der jetzt zugelassene Wagen EA 004, d.h. Entwicklungsanfrage Nr. 4, lief bei der Volkswagen AG im Werk Wolfsburg bis zum Ende des Jahres 1994!

Im Laufe seines fast 50-jährigen aktiven harten Einsatzes in Produktion, Lager und FE hat der nun mit viel Geduld und Liebe rekonstruierte Wagen viele Veränderungen durchgemacht. Nicht nur Aggregate wie Lenkung, Getriebe und Motoren wurden getauscht und modernisiert, auch Rahmen und Plattform wurden nachweislich einige Male erneuert. Auch das äußere Aussehen wandelte sich vom offenen LKW-Roadster mit bescheidenen 24,5 PS zum Lasten-LKW mit geschlossenem Primitiv-Fahrerhaus und stattlichem 48 PS-Motor. Höhepunkt dieses Lastenesels war seine Repräsentation auf einer Bühne in Hannover aus Anlass des Jubiläums "30 Jahre Volkswagen-Transporter".

Da es der letzte vom Werk genutzte Wagen war, kam es dem jetzigen Besitzer und Sammler historischer VW's darauf an, diesen Wagen weiter "leben" zu lassen und ihn als Clubfahrzeug für Ausstellungen aber auch für kleine Transporte einsetzen und nutzen zu können.

Nach vielen Anläufen und Mühen - auch technischen Anpassungen - ist es gelungen, dieses Fahrzeug ohne wesentliche Veränderungen der Grundkonzeption mit einem amtlichen Kennzeichen für den öffentlichen Straßenverkehr zuzulassen. Ein Lob deshalb an die alten Konstrukteure, die vielen Benutzer und dem jetzigen Eigentümer! Obwohl diese robuste Fahrzeugkonstruktion fast 50 Jahre lang täglich rund um die Uhr im harten Werkseinsatz brav ihren Dienst versah, gibt es leider kaum dokumentarisches Material über den Plattenwagen (werksintern auch Motorkarren oder Motortransportkarren genannt).

Großes Interesse erfuhr dieser Plattenwagen anläßlich des VW-Bulli Treffens in Hannover im Oktober 2007. Er stand als erster und Urahn der Fahrzeugentwicklungen in der Reihe der Transporter vom T1 bis zum T4. Im November 2010 wurde der Plattenwagen erneut nach Hannover gebracht. Diesmal ging es um einen gemeinsamen Auftritt mit einem T1-Bus, der als Schienenfahrzeug bei der Deutschen Bundesbahn eingesetzt war. Auch diesmal zog er als ungewöhnliches Nutzfahrzeug auf Parkplätzen viele Blicke auf sich.


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