Die goldene 13: Von Straßenschäden, Umleitungen und umgeleiteten Umleitungen

aufgezeichnet von Ulrich von Pidoll, Braunschweig

Start am Braunschweiger Flughafen

Preisfrage: Was geschieht nahe dem Siebenschläferwochenende um 7 Uhr morgens am Braunschweiger Flugplatz? Antwort: Die IG Historische VWs Braunschweig bricht auf zur großen Jahresausfahrt mit ihren historischen Fahrzeugen des Volkswagenkonzerns. Diesmal war es die dreizehnte Ausfahrt vom 3.-6.7.2003, und die Dreizehn sollte sich als Glückszahl erweisen. Während die Daheimgebliebenen im Dauerregen fast ertranken, hielt sich eine blaue Lücke direkt über unseren Fahrzeugen und führte sogar zu dem einen oder anderen Sonnenbrand. Es ist immer wieder erstaunlich, wie Jürgen das macht mit dem Wetter, aber es funktioniert. Mit elf schmucken Oldtimern ging es in Richtung Sächsische Schweiz, wo uns das schöne Elbflorenz, die gläserne Manufaktur und diverse Felsen im Elbsandsteingebirge erwarteten.

Erste Pause

Schon bald erreichten wir auf Straßen, auf denen sich die Vorzüge unserer 15 Zoll Räder angenehm bemerkbar machten, die Elbe und setzten mit der Elbfähre bei Barby über.

Elbfähre Barby

Anschließend frühstückten wir erst einmal tüchtig in der Domäne Baditz, dem Geburtsort von Katharina der Großen. Der nächste Stop war am Technikmuseum Hugo Junkers in Dessau. Anschließend war Mittagessen angesagt, wir speisten im Hotel Ochsenkopf gut und reichlich mit Menuepreisen, wie für eine Flasche Mineralwasser in meinem letzten Großstadthotel. Über Torgau und die Elbfähre Mehlberg erreichten wir schließlich unser Nachtquartier, das Gut Wildberg zwischen Meißen und Dresden.

Domäne Baditz

Am nächsten Morgen besichtigten wir die Gläserne Manufaktur in Dresden. Dabei mussten wir die Erfahrung machen, dass die Kraftfahrzeugdichte im Großraum Dresden extrem hoch ist und überall Umleitungen wegen gesperrter Straßen (meist durch Hochwasserschäden) auftauchten. Dabei waren zwei Typen von Umleitungen zu erkennen:

1) Umleitung erster Art: An der letzten Kreuzung vor der gesperrten Straße befanden sich ein Verkehrszeichen für Sackgasse (geradeaus) sowie zwei Umleitungsschilder (rechts und links). Ansonsten überließ man den Autofahrer seinem Schicksal. Eine unwahrscheinliche Verschwendung, gleich zwei Umleitungsschilder. Eins, das nach oben zeigt, hätte doch auch gereicht.

2) Umleitung zweiter Art, sogenannte beschilderte Umleitung. Hier wurde die Umleitung für den Autofahrer ausgeschildert. Das klingt gut, war es aber meistens nicht. Denn oft erwiesen sich die Umleitungsstraßen als die einzigen befahrbaren Straßen im näheren Umkreis, sodass noch zwei, drei weitere Umleitungen auf diese Strecke umgeleitet wurden. Dann stand man plötzlich wieder vor Umleitungsschildern, welche in unterschiedliche Richtungen zeigten, und war verwirt. Besonders gemein war es, wenn man glaubte, auf einer beschilderten Umleitung zu fahren, in Wahrheit aber einer ganz anderen Umleitungsstrecke folgte, weil die eigene nämlich unbeschildert war. Ferner erlebte ich zweimal, dass selbst Umleitungsstrecken wegen Bauarbeiten umgeleitet werden mussten.

Diese Umleitungsphänomene führten Zeit- und Wegplanungen ad absurdum, und es erwies sich als vorteilhaft, das Käfer nur einen Wendekreis von 11 m besitzen.

Vor der gläsernen Manufaktur Dresden

Die gläserne Manufaktur in Dresden erwies sich trotz des beschriebenen Verkehrschaos als ein absolutes Highlight. Hier werden Autoteile mit der Straßenbahn herangekarrt und hinter Glaswänden zu einem Auto zusammengebaut. Es ist ausdrücklich vorgesehen, dass ein Käufer mit eigenen Augen verfolgen kann, wie sein "Phaeton" von Anfang bis Ende zusammmengebaut wird. Und dabei entsteht offensichtlich kein Krach, keine Abgase und keine Hektik. Der Fahrsimulator für den Phaeton im Keller erwies sich jedoch als Fehlkonstruktion. Ich habe noch nie in meinem Leben ein verkehrsunsicheres Schrottauto gefahren, dass auch nur annähernd ein solches Lenkradspiel aufwies. Es empfiehlt sich, garnicht zu lenken und alles der Automatik zu überlassen, die bei drohenden Unfällen eingreift. Ansonsten ist der Fahrsimulator sehr realistisch, es fällt schwer zu glauben, dass man nur eine Simulation fährt.

Bastei

Der Tag endete in unserem Hotel Lilienstein bei einem hervorragenden Abendessen, und wir schliefen glücklich ein. Am nächsten Tag besichtigten wir die Bastei und standen auf der Aussichtsplattform eines Felsvorsprungs. Die Sicht war sehr schön über die Sächsische Schweiz, eine wilde Felslandschaft ähnlich der fränkischen Schweiz oder der Loreley. Wir sahen Raddampfer und Eisenbahnzüge tief unter uns. Wie Modellbahnen sahen sie aus, aber wir konnten uns nicht einigen, ob es Spur H0, N oder TT war. Anschließend besichtigten die schwindelfreien das Felsenschloss Neurathen, welches auf einem Felsen nahe der Bastei erbaut wurde, und noch sehenswerter als die Bastei selbst ist.

Lilienstein

Der Nachmittag war zweigeteilt: Eine Gruppe besichtigte Markplatz und Schloss Stolpe, danach die Miniaturlandschaft in Dorf Wehlen. Die zweite Gruppe bestieg den 415 m hohen Lilienstein, der sich direkt hinter unserem Hotel in den Himmel erhob. Ein Gefühl wie Reinhold Messner überkam uns, als wir eng an die Felswände gedrückt auf Stahlleitern und Steintreppen aufstiegen und so manche 100 m tiefe Felsschlucht überwinden mussten. Nichts für schwindelige oder alte, aber was für richtige Abenteurer! Oben auf der Felsspitze ließen wir uns den stürmischen Wind um die Ohren wehen und genossen den Sieg über den Berg.

Gruppenfoto

Am Sonntag hieß es schließlich Abschied nehmen. Über einige Umleitungen und Strecken mit 15 % Steigung und Gefälle erreichten wir das prachtvolle Schloss Augustusburg bei Chemnitz, wo wir uns voneinander verabschiedeten. Eine schöne, gemeinsame Zeit ging zuende, und insbesondere der Aufstieg zum Lilienstein wird mir unvergeßlich bleiben.

Download Gruppenfoto vor Hotel (1 MB)

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