Von Schlössern, Schlachten und schlauen Leuten

aufgezeichnet von Ulrich von Pidoll, Braunschweig

Das Jahr 2001 ist als das sogenannte "Preussenjahr" ausgerufen worden. Unsere diesjährige Ausfahrt führte uns deshalb in die märkische Schweiz an die Oder, wo wir anhand zahlreicher Beispiele die Spuren preussischen Einflusses erleben konnten: Die Anlage der Ortschaften, Straßen und Kanäle bis zur Trockenlegung des Oderbruchs nebst der militärischen Sicherung dieses Gebietes.

Der Startschuss erfolgte wie immer am Braunschweiger Flughafen, diesmal am 29.6.2001 um 7 Uhr morgens. Durch die Urstromtäler von Aller, Elbe und später Havel ging es in Richtung Osten. Vorbei am Herrenhaus des Grafen von Hardenberg und der Wasserburg Flechtingen erreichten wir auf schönen Waldstraßen mit duftenden Akazien schließlich Tangermünde, wo wir im Schloss frühstückten und dabei einen schönen Blick auf die Elbe werfen konnten.

Anschließend erreichten wir das Haus von Graf Ribbeck auf Ribbeck im Havellande, doch kamen wir leider für einen Plausch mit dem Herrn Grafen einige Jahrhunderte zu spät. Mittagspause war am Hakenberg Denkmal, welches an die Schlacht des Großen Kurfürsten gegen die Schweden anno 1675 erinnert. Eine Waffensammlung hierzu befindet sich noch heute in einer alten Kirche.

Über wunderschöne preussische Alleenstraßen und großzügig angelegte Dörfer ging es weiter zu Schloß Ziethen und schließlich Schloß Prötzel, wo wir eine Kaffeepause einlegten. Danach fuhren wir durch die malerische märkische Schweiz bis zu unserer Endstation, dem noblen Schloss Wulkow. Dieses Schloss wurde 1361 von der Familie "von Scharpeloh" gebaut und bis 1643 von dieser Familie bewohnt, bis der Hausherr durch schwedische Raubritter ermordet wurde. Danach gelangte es bis zum zweiten Weltkrieg in den Besitz von verschiedenen anderen Adelsfamilien. Inzwischen ist das Schloß grundlegend renoviert und 1994 als "Parkhotel Wulkow" eröffnet worden.

Am nächsten Tag machten wir einen Ausflug in das sogenannte Oderbruch. Hier kann man noch Herden mit mehr als 700 Kühen finden. So ähnlich dürfte es in Texas aussehen. In Seelow besichtigten wir die Gedenkstätte "Seelower Höhen", welche an die Schlacht vom 16.-18.4.1945 erinnert. Anschließend stand ein Kunstmuseum in einem alten Kornspeicher in Friedersdorf auf unserem Programm. Weiter ging es zum Gorgaster Fort, wo wir nach der Führung direkt an der Oder zu Mittag aßen.

Weiter ging es auf dem Oderdamm bis nach Letschin. Im Gasthof "Alter Fritz" wurden wir dort von einem Wirt bedient, der wie der "Alte Fritz" gekleidet war und uns viel über die damalige Zeit erzählte.

Nach diesem Abstecher in die Welt des "Alten Fritz" besichtigten wir die von ihm veranlasste Oderbegradigung bei Wriezen und schließlich auch noch das Schloss Neu-Hardenberg. Erschöpft, aber glücklich erreichten wir schließlich wieder unser Bett im Schloß Wulkow. So mancher dürfte in der folgenden Nacht vom "Alten Fritz" geträumt haben. Als Clubmitglied bei den Historischen VWs Braunschweig dürfte er jedoch nicht infrage kommmen, schließlich hat er nie einen luftgekühlten Volkswagen besessen.

Der nächste Morgen bedeutete Abschied nehmen von Schloß Wulkow und dem Oderbruch. Die erste Rast fand in Strausberg statt, die Stadt der drei Lügen: Erstens gibt es in Strausberg keinen Strauß, zweitens auch keinen Berg und drittens auch keine Stadt. Dafür aber Honeckers Sonderzug sowie ein Marmor-Hotel für Minister und Generalität, die wegen des Vier-Mächte-Status nicht in Berlin tagen durften.

Auf dem Berliner Gendarmenmarkt entdeckten wir eine Maseratti-Ausstellung, von der jedes Auto teuerer als unsere ganzen Autos zusammen war. Für das Mittagessen fand sich ein schönes Restaurant "Unter den Linden". Kaffeepause war dann in Potsdams Schloß "Sanssouci" angesagt. Über die Autobahn ging es dann wieder zurück nach Braunschweig.

Eine lange, erlebnisreiche Tour mit vielen Schlössern, Schlachtengedenkstätten und schlauen Leuten ging zuende, die Gottseidank ohne Schlaglöcher, schlechtes Wetter, schlaflose Nächte, schlampige Organisation und schlechte Laune verlief. Nur die Teilnehmerzahl war diesmal etwas gering. Aber das kann ja im nächsten Jahr wieder ganz anders sein...

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